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Die hellste Schutzhütte Österreichs

Nachdem das Friedrich-Hallerhaus am Schneeberg im April 2011 abgebrannt ist, erfolgten die Neuplanung und Errichtung in Rekordzeit: Schon sechs Monate später ist das neue Dach dicht. Im Frühjahr 2012 wird die hellste Schutzhütte Österreichs neu eröffnen.

Der Schneeberg gilt als eines der beliebtesten Wanderziele der Wiener und Niederösterreicher. Entsprechend groß war die Betroffenheit, als das 1922 errichtete Friedrich-Hallerhaus auf der Knofeleben am Südhang des Schneebergs im April 2011 bis auf die Grundmauern abbrannte. Noch im selben Monat fassten die Naturfreunde den Beschluss, die Hütte auf der selben Stelle wieder aufzubauen – auf 1250 Meter Seehöhe. Helmut Frank, Geschäftsführer der Naturfreunde, begründete die rasche Entscheidung vor allem mit dem Hüttenwirt: „Uns war sehr wichtig, dass Sabine und Vitsch Krennthaler das Schutzhaus weiter führen, weil sie ganz hervorragende Gastgeber und sehr beliebt sind. Sie haben aber nur unter der Voraussetzung zugesagt, dass wir uns bemühen, innerhalb eines Jahres wieder zu eröffnen. Das haben wir gerne akzeptiert.“

Mit der Planung beauftragt wurden Architektin DI Regina Lettner und Günter Lagler, baukult, die nicht nur eine besondere Beziehung zu diesem Gebäude, sondern auch jahrelange Wander- und Trekkingerfahrung haben. Eines ihrer Ziele war, mit diesem Gebäude die Akzeptanz moderner Architektur in den Bergen zu fördern. Schon im August dieses Jahres konnten die Bauarbeiten beginnen. Die Errichtung erfolgt in Mischbauweise: der Keller in Ortbeton, darüber nur Fertigteile – teils aus Beton, überwiegend jedoch in Form großteiliger, hochwärmegedämmter vorgefertigter Holzelemente. „Das neue Knofelebenhaus stellt ein technisches und energetisches Vorzeigeprojekt im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung dar. Es ist völlig nach Süden ausgerichtet. Damit die Gäste die Sonne so lange wie möglich genießen können, legten die Betreiber großen Wert darauf, die neue Terrasse nach Süd-West zu orientieren“, beschreibt Regina Lettner die Zonierung des Hauses.

Der große Anteil des Holzbaus trägt entscheidend zu einer extrem kurzen Bauzeit bei: Großflächige Elemente werden in den Hallen des ausführenden Holzbaubetriebes Schmid Baugruppe vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch versetzt – so wie die Dachelemente, die bereits in der ersten Oktoberwoche montiert wurden. Damit ist das Gebäude dicht, und der Innenausbau kann auch unter schwierigen winterlichen Bedingungen ausgeführt werden. Die Betonelemente erfüllen in dieser extremen Lage nicht nur statische Anforderungen, sondern dienen auch als Speichermasse und puffern die Wärme. Der weitreichende Einsatz von Holz als Baustoff trägt entscheidend zur guten CO2-Bilanz der neuen Schutzhütte bei. Zum Selbstverständnis der Naturfreunde gehört es auch, vorrangig mit lokalen Lieferanten zusammen zu arbeiten, und das geschieht auch hier: Der Reichenauer Spenglereibetrieb Pollross führt die Spenglerarbeiten am Blechdach mit vorbewittertem Rheinzink aus.

Licht durchflutet die Hütte
Einzigartig in der Planung dieser Berghütte ist der gezielte Einsatz von Tageslicht. Dafür hat baukult die Experten von VELUX beigezogen, die ihre Erfahrungen aus dem Sunlighthouse, dem ersten CO2-neutralen Einfamilienhaus Österreichs, einbringen können. Heinz Hackl, Tageslichtexperte von VELUX: „Die Planung dieses Gebäudes erfolgte gewissermaßen von innen nach außen – natürlich unter Wahrung der formalen Ansprüche zeitgemäßer Architektur.“ Nach dem Motto „form follows energy“ ergab sich die Form des Gebäudes aus der Energie- und Lichtplanung heraus und nicht umgekehrt.

Die neue Knofeleben-Schutzhütte wird über großzügige Fensterflächen an der Fassade durch 30 VELUX Dachflächenfenster, zwei Flachdachfenster und Lichtspots mit Tageslicht versorgt. „Den Berechnungen zufolge wird das Gebäude im Inneren dreimal heller sein als die meisten Einfamilienhäuser in unseren Breiten“, so Hackl weiter. Der überwiegende Teil der Dachflächenfenster belichtet und belüftet die Gästezimmer. Das Fensterband reicht von der Bettoberkante bis zur Deckenunterkante und gibt einen wunderbaren Blick auf die Knofelebenwiese und die Rax frei. Tageslichtspots und Flachdachfenster in Badezimmern und im Stiegenaufgang erleichtern auf natürliche Weise die Orientierung im Haus.

Die Gaststube im Erdgeschoß öffnet über eine großzügige Panoramaverglasung den Ausblick in das Quellschutzgebiet der Wiener Wasserleitung. Sie wird ein schönes Beispiel dafür sein, wie viel Gemütlichkeit sich in moderner Architektur mit viel Glas ausbreiten kann. 

Energieautark und ökologisch
Neben der außergewöhnlichen Tageslichtnutzung weist das Naturfreundehaus Knofeleben noch eine weitere Besonderheit auf. „Wir befinden uns hier im Wasserschutzgebiet, haben weder Strom noch Kanalanschluss und können auch das Wasser aus diesen Quellen nicht nützen“, erklärt Naturfreunde-Geschäftsführer Helmut Frank. Deshalb sorgt künftig eine Photovoltaik-Anlage in der geneigten Fassade für die Stromgewinnung. Eine große thermische Solaranlage am Dach bereitet das Warmwasser. Die Ausrichtung der gesamten Gebäudestruktur erfolgte nach strengen baubiologischen und -ökologischen Kriterien. Auf der flachen Dachneigung wird im Winter Schnee gesammelt, der in Zisternen abfließt und mittels Filter und UV-Behandlung als Trinkwasser aufbereitet wird. Frank: „Auf diese Weise ersparen wir uns unzählige Transporte mit Tankwägen aus dem Tal.“

Für Heinz Hackl stellt die neue Schutzhütte der Naturfreunde das Musterbeispiel eines Active Houses dar: „Das Knofelebenhaus verbindet höchste Energieeffizienz mit einem hervorragenden Innenraumklima, reagiert mit einem extrem hohen Tageslichtanteil, der natürlichen Belüftung, den natürlichen Materialien und seiner Gebäudeform auf die Umgebung und den Standort. Weil tausende Menschen die Schutzhütte besuchen werden, haben sich die Naturfreunde mit diesem speziellen Gebäude als wichtiger Botschafter hinsichtlich energetisch und ökologisch optimiertem Bauen etabliert.“

Link:
Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter www.knofeleben.at  und auf activehouse.info.

 

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Bilder: baukult


Weitere Informationen und Bildmaterial für die Presse:
VELUX Pressestelle, senft&partner
Praterstraße 25a/13, 1020 Wien
01/219 85 42-24